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„Ich denke, also leide ich.“

Zugegeben, das Zitat lautet ein wenig anders. Und dennoch behaupte ich, dass es Sinn ergibt. Aber beginnen wir von vorne: Was ist eine Urangst überhaupt?

Es ist im Grunde genommen die „Mutter“ aller Ängste, denn es geht um das sogenannte Urtrauma der Geburt (laut Sigmund Freud) – die erste Abnabelung aus dem sicheren Schoß der Mutter. Wir haben schlicht und ergreifend Angst vor dem Tod. Dem „abrupten Abbrechen“ unseres Daseins.

Die Angst vor dem Ende unserer Existenz ist die größte und natürlichste Form unserer Furcht. Damit zusammen hängen diverse Angstaffekte, die wir schon als Kinder kennenlernen: Zum Beispiel die Angst vor der Dunkelheit oder dem Alleingelassen werden. Und oftmals werden diese kindlichen Ängste immer weiter getragen ins erwachsene Sein. Dazu später mehr.

Unsere Existenz in der heutigen Zeit, zumindest im westlichen Teil der Welt, hat immer mehr an Sicherheit und Schutz zugelegt. Wir kennen dank unseres sozial-gesellschaftlichen Systems keine Hungersnot, keine medizinische Unterversorgung, keinen Mangel an sauberem Wasser. Und doch nahm die Variation an Angststörungen in den letzten Jahrzehnten bei uns immer weiter zu.

Wie kann es sein, dass gerade die am besten geschützten, wohlhabensten Menschen der Welt scheinbar die meisten Ängste in sich tragen?

Die Antwort wird Euch nicht gefallen: Weil wir es KÖNNEN.

Wir malen uns die grausamsten Szenarien aus, fürchten Situationen bevor sie eintreten oder tragen eine kindliche Angst in uns, die wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens unbewusst zu einer unumstößlichen Realität – UNSERER Realität – manifestiert haben. Es ist das gleiche Spiel, das wir mit unseren alltäglichen, zweifelnden Gedanken tun:

Wir haben uns einen Kreislauf aus Wahrnehmung, Vergleich und Erinnerung geschaffen. Bedeutet: Wir nehmen Bilder wahr (oder Gerüche, Geräusche, etc.), unser Gehirn vergleicht sie mit ähnlichen Erinnerungen und interpretiert sie entsprechend. Das alles geschieht wahnsinnig schnell. Die körperliche Reaktion auf unsere soeben selbst begründete Angst folgt auf dem Fuße: Unser Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an und unsere Atmung beschleunigt.
Unser Körper bereitet sich für Flucht oder Kampf vor.

 

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